Kopf

Über mich und Euch

Damit man weiß, mit wem man sich im Ernstfall für ein paar Tage einläßt, möchte ich mich kurz vorstellen. So sieht jeder, was für’n schräger Vogel ich bin - und im Zweifelsfalle kann man sich für was anderes entscheiden. Es ist ja keine Pflicht, ...die Sache mit mir!

Der (leider) immer noch sächselnde Dialekt verrät meine ursprüngliche Herkunft: die Zone eben. Von dort bin ich vor dem Mauerfall und nach langer politischer Haftzeit weg. Nach einigen Jahren in Bayern kam ich das erste Mal nach Venezuela. Jetzt, nach längerem und wiederholtem Deutschland-Aufenthalt, bin ich zum dritten Mal in Venezuela. Meine Frau und unsere Kinder sprechen Deutsch und Spanisch. Hier sei betont, daß wir uns keinesfalls mit Auswanderern vergleichen lassen wollen, welche als bezahlte Statisten dubioser Privat-Fernsehsender fungieren. Wir sind ja keine Clowns für sensationslüsterne Fernseh-Zuschauer, die selber nicht den Hintern an die Wand kriegen! Ich persönlich bin sowieso schon zu oft von irgendwo weggegangen, um noch von Auswandern zu reden. Einfach mal wieder weg und schauen wie woanders gelebt wird...

Obwohl meine Eltern dies vehement bestreiten, muß in meinen Adern Zigeunerblut fließen. Anders ist es kaum zu erklären, daß in einigen Ländern Kinder von mir existieren, daß ich selbst bisher an drei Dutzend Wohnsitzen lebte, daß ich ebenso viele Jobs ausübte- und daß ich immer noch Hummeln im Arsch habe.

Zu behaupten, ich lege gesteigerten Wert auf meine äußere Erscheinung, wäre eine glatte Lüge. Seit etlichen Jahren stehe ich auf Kriegsfuß mit Rasierapparaten, Frisören und jeglichen Schicki-Micky-Klamotten. Den Erfinder von am Halskragen eingenähter Etiketten bei T-Shirts würde ich mir gern mal vorknöpfen! Die Anzahl meiner jeweils griffbereiten sauberen Hosen ist mit wenigen Fingern einer Hand abzuzählen. Jedoch lege ich Wert auf frische Unterwäsche und auf (mindestens) ein tägliches Bad samt Einsatz von Kernseife oder im Ernstfall Waschpulver!

Zwar bin ich gelernter Metaller, doch Holz liegt mir besser. Ich besaß eine Kaffeeplantage und Kneipen, war Bierzeltkellner, hier in Südamerika Taxifahrer, schmuggelte Schnaps hektoliterweise in die Minen, kann sehr gut Diamanten aufkaufen, stellte Dachpappe und Zahnräder her, kenne Unter- und Tagebaue, bin verlegter Autor, war schon Sozialfall und fand schon mal in nur vier Tagen 15 Karat Diamanten... Das Leben ist ein Yoyo-Spiel!

Aus meiner Sicht der bescheidenen Dinge sind Pferde die edelsten Tiere - so von der Proportion und den gleitenden Bewegungsabläufen her gesehen. Die von mir am meisten bewunderten Tiere sind aber Schlangen (leider sieht man hier oben in der Gran Sabana sehr selten welche); ohne Arme und Beine zu haben okkupieren sie seit Jahrmillionen fast sämtliche Biosphären. Die jedoch klügsten Tierchen sind einige der Caninos - ein guter Kumpel von mir war ein Deutscher Schäferhund. Den erzog ich zum Touristen-Führer! Das Grünzeug betreffend mag ich alles was blühen kann, speziell (hier) die Orchideen. (Übrigens ist Venezuela das schlangen- und orchideenreichste Land der Welt und es gibt die meisten fleischfressenden Pflanzen!). Orchideen sind irgendwie die Schlangen der Flora; die es hier gibt, halten ohne Problem 3 Monate Dürre, aber auch 3 Monate Dauerregen aus. Beachtlich! Bezüglich der hiesigen Biologie (aber auch der Geologie!) bin ich mittlerweile ein recht kompetenter Fragebeantworter geworden.

So! Warum, wieso, weshalb arbeite ich mit Touristen? Der Dollars wegen? Stimmt nur sehr bedingt. Im Vergleich zu anderen Touranbietern stimmt es eigentlich überhaupt nicht. Für mich ist es absolut unvorstellbar, ein eigenes Touristenbüro zu betreiben! Jeden Tag 3 Touren auf den Roraima schicken, 2 in die Gran Sabana und eine nach Canaima... - mein Gott, selbst wenn dabei Tausende von Euro pro Monat rausspringen... - da wird man doch blöde von! Das ähnelt sehr dem Paketepacken bei Quelle in Fürth bei Dauernachtschicht. Wovon ich schon nach zwei Nächten floh... So wie auf religiöse Fanatiker das Wort “Satan” wirkt, wirkt auf mich die reine Vorstellung von Monotonie!

Vor 10 Jahren nahm ich ein Faultier aus den Urwald mit heim... Es dauerte keine 3 Wochen, dann klebte ich das Langsamteilchen an den gleichen Baum, von dem ich es abpflückte. Man schläft ja beim Zugucken ein! Die Kaffeeplantage wurde nach vier Monaten wieder verkauft - ich kann keine 10 Monate warten, bis endlich im November die achtwöchige Ernte losgeht. Das alles ist monoton! Und auch der schönste Job in meinem Leben, nämlich nach Gold und Diamanten zu tauchen, wird nach einigen Jahren irgendwie langweilig. Leider...
Deshalb Touristen! Der Geist braucht doch Abwechslung! Auch wenn ich 2 oder 8 Tage lang nur über Gold, Diamanten, Karat, Minen, ausgebrochene Goldfieber und solch Zeugs rede..., es findet (mit deutschsprachigen Touristen) auf einem ganz anderem Niveau statt, als würde ich über diese Themen mit venezolanischen oder brasilianischen Goldsuchern meiner Nachbarschaft quasseln. Werde ich verstanden?

Am nächtlichen Lagerfeuer über den erlebten Tag zu reden... - das ist das was ich brauche - ab und an eben.
Und: Auf keinen Fall Masse! Aller zwei Monate mit einem netten Pärchen, damit man selber nicht verkalkt! Deshalb die Teilnehmerzahl-Beschränkung.

Nun zu Euch: Wie Ihr sein solltet - oder treffender: Wie Ihr bitte besser nicht sein solltet!
Nach 5 Jahrzehnten abwechslungsreichen Lebens haben sich bei mir nämlich gewisse Probleme gebildet, Unarten fremder Menschen zu akzeptieren...

Aha - zuerst das: Jeder Südamerika-Besucher sollte auf Hygiene achten! Alter Körperschweiß (erneut aufgekocht) oder das gebrauchte Shirt vom Vortag riechen nicht einfach nur schlecht... - das stinkt! Und Gestank ist die allergrößte Beleidigung von Menschen in Ländern, in denen es absolut üblich ist, daß sich selbst kleine Kinder täglich im Morgengrauen einer Selbstgeißelung mittels eiskaltem Wasser unterziehen, bevor sie gen Schule wandern! Also macht es Euch selbst zur Pflicht und Aufgabe, den Leuten, mit denen wir näheren Kontakt haben werden zu beweisen, daß der landesweit geflügelte Spruch “Gringos stinken!” nicht unbedingt auf jeden Tourist zutrifft!

So: Eine einzige Person, die uns hier von früh bis nachts persönliche Probleme von daheim vorjammert, bis unsereiner Hornhaut auf dem Trommelfell bekommt, versaut allen anderen (inklusive mir!) eine Tour, welche so ziemlich einmalig, lehrreich und in der Tat wirklich schön ist.

Ich möchte nie wieder einen Touristen dabei haben, der auf den Abismo steigt und beim Anblick des Dschungels von oben (Grün bis zum Horizont!) seinen Walkman rausholt und sich überlaute Techno-Musik in die Ohren steckt... Auch demonstratives Desinteresse kann eine Beleidigung der restlichen Tourteilnehmer sein! Ebenso sollte sich jede Dame, die sich aller 3 Minuten einen Mini-Spiegel vor’s Gesicht hält und frisches Rot auf die Lippen aufträgt, bevor sie zum Pipimachen hinter einem Busch verschwindet, sehr gut überlegen, ob sie ausgerechnet mit mir etwas unternehmen will!!! Gerade Toleranz hat seine Grenze! Jeder einzelne Tour-Teilnehmer sollte sich im Ernstfall belehren lassen, sollte sich was sagen lassen dürfen! Die Harmonie innerhalb einer Gruppe ist der Grundstein für’s Gelingen einer Tour!
Abschließend...: Auch mir kann man problemlos an den Kopf werfen: 'Franco, halt mal deine Klappe... - das hast du doch gestern schon mal erzählt!'

Family

Interesse ? Dann gleich hier mit mir in Kontakt treten!

 

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